Martin Volkmars Kolumne 17 Jahre lang kämpfte er dagegen, doch nun ist Watzke der neue starke Mann der Liga.

Keller Sports Erfahrungen: Hans-Joachim Watzke, der bei der DFL-Führungswahl 2019 brüskiert wurde, ist nun fast einstimmig zum mächtigsten Mann der Liga gewählt worden. Wie haben der BVB-Manager und die Vereine ihre Meinung geändert, und welchen Einfluss hatte ein anderer Liga-Spitzenreiter?

Keller Sports Erfahrungen
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Die DFL-Karriere von Hans-Joachim Watzke schien zu Ende zu sein, bevor sie vor weniger als zweieinhalb Jahren richtig begonnen hatte.

Nach dem Rücktritt von BVB-Präsident Reinhard Rauball als Liga-Chef im August 2019 verabschiedete sich der Geschäftsführer von Borussia Dortmund von einer vorbereitenden Sitzung vor der Mitgliederversammlung, die die neue Führung der 36 Erst- und Zweitligisten wählen musste.

Am Ende übernahm ein Schalker Rauball den Vorsitz des DFL-Aufsichtsrats und erster stellvertretender Sprecher des Präsidiums, was die schwarz-gelbe Unzufriedenheit über die fehlende Unterstützung nicht gemildert haben dürfte.

Watzke: Er wurde 2019 von der Mehrheit der Bundesliga-Teams nicht gesucht.

Watzke wurde nicht in das Gremium eingeladen, weil die Mehrheit der Vereine nur eine Person aus Dortmund und den Bayern wollte, nämlich Bayern-Finanzvorstand Jan-Christian Dreeßen.

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Das Watzke-Lager war für das sogenannte “Team Mittelstand” verantwortlich, zu dem historische Mannschaften wie der Hamburger SV, Hertha BSC und Eintracht Frankfurt gehörten. Axel Hellmann, Mitglied des Vorstands, galt als treibende Kraft hinter der Fusion und damit auch der Ablehnung Watzkes durch die DFL-Spitze.

Nun hat Hellmann einen großen Beitrag zur bevorstehenden Krönung Watzkes zum nächsten DFL-Aufsichtsratsvorsitzenden geleistet, dessen formelle Wahl als Nachfolger von Peters im Februar nach einstimmiger Abstimmung mit 32 von 34 anwesenden Vereinsvertretern nur noch Formsache ist. Bereits im September auf dem Sportbusiness-Kongress SPOBIS rief der Frankfurter Vorstandsvertreter “Hans-Joachim Watzke und Oliver Kahn” dazu auf, Aufgaben im Ligaverband zu übernehmen.

Bayern-Manager Kahn scheint desinteressiert zu sein.

Kahn, der neue Vorsitzende der Bayern, war jedoch nicht erreichbar. Er scheint aufgrund seiner ständigen Dominanz zu Hause kein besonderes Interesse an der Nationalliga zu haben, sondern konzentriert sich stattdessen auf seine Rolle als Vizepräsident der europäischen Spitzenklubs (ECA).

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Bei der Abschlussbesprechung in Frankfurt soll er vor allem stumm geblieben sein, was angesichts von Äußerungen von Vorgänger Karl-Heinz Rummenigge und zuvor von Uli Hoeneß, die beide in der Vergangenheit typischerweise recht unverblümt waren, für anhaltenden Unmut bei den anderen Teilnehmern sorgte.

Kahn war nicht einmal bei der jüngsten Sitzung am Dienstag dabei, als der langjährige DFL-Geschäftsführer Christian Seifert nach fast 17 Jahren zum letzten Mal in dieser Gruppe auftrat und auch der künftige Weg feststand.

Watzke war also im Grunde der Einzige, der noch übrig war – und er nahm es, zumindest vorerst, in Kauf, um das Machtvakuum in DFL und DFB zu füllen. „17 Jahre lang habe ich mich erfolgreich gegen Ähnliches gewehrt. Ich war jetzt in die Klemme geraten“, sagte er danach.

Der 62-Jährige hat dank der starken Position des DFL-Aufsichtsratsvorsitzenden noch einmal enorm an Gewicht zugelegt. Er scheint jedoch die Verantwortung zu tragen, zum Kampf gegen eine Vielzahl aktueller Probleme beizutragen, insbesondere den enormen wirtschaftlichen Schaden, der durch die Corona-Epidemie verursacht wird.

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Jedenfalls kämpft “Aki” Watzke seit dem Ausbruch im März 2020 um die Führung der Bundesliga, was dazu geführt hat, dass er seine Entscheidung überdenkt, eine weitere, wenn nicht die bedeutendste Rolle im deutschen Fußball zu übernehmen. Nach außen weist dies auf seine vormals inoffizielle Funktion hin.

Watzkes Ziele als BVB-Manager: Fans des Profisports, gegen die Superleague Stellung beziehen.

Das besondere Verkaufsargument des Sauerländers ist, dass er gerade einige seiner prominentesten Mitstreiter verloren hat, darunter Rummenigge und den zurückgetretenen DFB-Präsidenten Fritz Keller. “Aki ist der letzte starke Typ im deutschen Fußball – danach ist es nur noch dieser Job”, fügt ein enger Freund hinzu. Das Bild prägte sogar einen neuen Begriff in Bezug auf Watzkes Spitznamen: “Die Anerkennung im deutschen Fußball wächst”, heißt es in der Boulevardzeitung. Dennoch waren die Auserwählten und ihr Gefolge überrascht, dass es bei der geheimen Abstimmung nur zwei Gegenstimmen gab, eine davon vermutlich von Hannovers Chef Martin Kind, der bekanntlich eine ganz andere Meinung zum Thema Vereinfachung hat für Investoren, sich vehement dem 50+1-Verteidiger Watzke anzuschließen.

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Zudem will sich der selbsternannte Fußball-Traditionalist für Fan-Anliegen, günstige Tickets und ein stärkeres nationales und internationales Ansehen der Bundesliga einsetzen, wozu auch eine klare Absage an die Superleague gehört.

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